Ohne digitalisierte Energiesysteme wird E-Mobilität nicht skalieren

Mittwoch, 14. Februar 2018, 14:36 Uhr

 

Der Smart-Meter-Rollout kann für die Energiebranche mehr sein als nur eine Herausforderung. Tim Ulbricht, Geschäftsführer von Kiwigrid, sieht konkrete Chancen im Bereich der Elektromobilität.

Der Rollout intelligenter Messsysteme läutet endgültig das digitale und flexible Zeitalter der deutschen Energiewirtschaft ein. Doch anstatt nur die Paragraphen des Messstellenbetriebsgesetzes abzuarbeiten, sollten Energieversorger den Rollout als Chance für eine echte digitale Transformation verstehen. Das Smart Meter Gateway als Herz des intelligenten Messsystems ist weit mehr als ein Türsteher für Messdaten. Es ist eine digitale Plattform im Gebäude des Kunden. Es ist die Schnittstelle ins Stromnetz und der Klebstoff für die Kopplung mit Wärme und Mobilität. Wie beim Smartphone steckt der Mehrwert in der Software und nicht in der Hardware. Das Gateway ermöglicht allen energiewirtschaftlichen Marktrollen eine nie dagewesene Wertschöpfung.

Konvergenz von Mobilität und Strom

Der Verkehrssektor zählt mit zu den größten Energieverbrauchern in Deutschland und könnte in vielen Bereichen mit Strom aus erneuerbaren Energien elektrifiziert werden. Noch kämpfen Autohersteller und Energieversorger gleichermaßen bei Käufern um die Akzeptanz der E-Mobilität. Doch eine PWC-Studie geht von einem Marktanteil für Elektroautos von 30 Prozent im Jahr 2030 aus. Deshalb werden die Investitionen in den Ausbau der Ladeinfrastruktur in den nächsten Jahren erheblich zunehmen. Die meisten großen Energieversorger bieten in ihrem Portfolio bereits Ladesäulenkonzepte für Firmenflotten an.

Neue energiewirtschaftliche E-Mobilitätslösungen

Die Bereitstellung der Ladeinfrastruktur eröffnet Möglichkeiten für weiterführende Geschäftsmodelle. So sind zum Beispiel spezielle Tarife für die gewerbliche E-Mobilität denkbar, wenn diese ihre Firmenflotten in Schwachlastzeiten aufladen. Auch eine Einbeziehung der Elektromobilität als steuerbare Lasten wäre eine Option. E-Autos würden dann überschüssigen Strom aus dem Netz aufnehmen oder Strom, den sie selbst aktuell nicht benötigen, bei Engpässen ins Netz einspeisen. Das würde nicht nur die Versorgungssicherheit gewährleisten, sondern auch die volkswirtschaftlichen Kosten für den Netzausbau auf der Niederspannungsebene signifikant verringern.

Paradigmenwechsel im Energievertrieb

Die Konvergenz von Mobilität und Strom sorgt damit für einen echten Paradigmenwechsel. Der Kunde von morgen wird Dienstleistungen nachfragen, die Mobilität, Strom und Energieeffizienz sinnvoll zu einem System verbinden. Und die ohne Komforteinschränkung zur Flexibilisierung des Energiesystems beitragen können. Dies führt dazu, dass reiner Energiebezug von immer mehr Kunden nur als Teil des Ganzen gesehen wird. Insbesondere die Marktrolle des Energievertriebs vollzieht damit einen Wandel vom Commodityanbieter zum Systemdienstleister. Auch liegt es nahe, dass Autohersteller früher oder später dazu übergehen, ihre Elektroautos im Paket mit der passenden Ladelösung inklusive Stromvertrag mit Flatrate und dem notwendigen Smart Meter Gateway anzubieten.

Intelligente Messsysteme – Chance für Energieversorger

Voraussetzung für all diese neuen Geschäftsmodelle bleibt die Datenkommunikation und Ladesteuerung über eine skalierbare, hochsichere und standardisierte Infrastruktur – eine Aufgabe, die Smart Meter Gateways als Kernkomponente des intelligenten Messsystems übernehmen werden. Diese werden als standardisierte und hochsichere Kommunikations- und Steuerungsinfrastruktur für alle systemrelevanten Anlagen dienen. Vor allem im Niederspannungsnetz, wo weit über 90 Prozent aller Erneuerbaren angeschlossen sind und künftig weite Teile der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität angeschlossen sein wird. Aus all diesen Gründen ist klar, dass ohne eine konsequente Digitalisierung der Energiesysteme inklusive einer großflächigen Smart-Meter-Gateway-Infrastruktur Elektromobilität auf lange Sicht nicht skalieren wird.

Original erschienen in der Handelsblatt-Ausgabe vom 05.02.2018 „Energie – Das Ende der Wende?“

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