Kretschmer: „Klar, dass ‚geimpft‘ die komfortabelste Variante ist“

Dienstag, 20. Juli 2021, 09:00 Uhr
Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht zu den Studierenden der Hochschule Mittweida. Rechts neben ihm sitzt Gordon Guido Oswald, Geschäftsführer des Studentenrats Mittweida. Ministerpräsident Michael Kretschmer (l.) tauschte sich mit den Studierenden der HSMW aus.

Michael Kretschmer hat sich am 19. Juli 2021 bei den Studierenden der Hochschule Mittweida (HSMW) über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie informiert. Dabei besichtigte der Sächsische Ministerpräsident auch das Test- und Impfzentrum an der HSMW. „Der Ruf einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften wird hier bestätigt“, sagte Kretschmer an die 25 studentischen Mitarbeiter:innen des Testzentrums gerichtet: „Das ist etwas ganz Besonderes. In der Art engagiert sich kein Studentenrat in Sachsen in dieser Corona-Pandemie. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken.“

Während des fast 90-minütigen Gesprächs mit den Studierenden der HSMW, an denen neben Rektor Ludwig Hilmer und Prorektor Bildung Volker Tolkmitt auch Studierende der Technischen Universitäten Chemnitz und Freiberg teilnahmen, zeigte Kretschmer sein Interesse an der Situation der Studierenden, an ihren Erfahrungen, an ihren Problemen und Sorgen; aber ebenso an ihren Erwartungen, gerade an die politisch Verantwortlichen.

Die Studierenden zeigten sich ebenso offen. Sie schilderten, wie starke Kontaktbeschränkungen und damit verbundene Isolation in Einzimmerwohnungen die Psyche vieler Kommiliton:innen belastet haben. Sie erklärten auch, welche Probleme sich aus wegbrechenden Nebenjobs für sie ergeben haben – gerade auch für diejenigen, die keinen Anspruch auf Mittel des BAföG haben. „Ich möchte mich bedanken für diese Offenheit und auch den Einblick“, sagte Kretschmer zum Abschluss. Dabei nahm er die Wortmeldungen nicht nur auf. Bei mehreren Punkten dankte er den Studierenden für Input und Details, die ihn bisher noch nicht erreicht hatten. Bei Ideen bat er zudem, nochmals per E-Mail auf ihn zuzukommen, damit er sich genauer mit den Vorschlägen auseinandersetzen und eine Lösung finden könne.

„Es war wichtig, dass der Ministerpräsident die Ängste und Befürchtungen erfahren hat, mit denen die Studierenden während der Pandemie leben, und unter welchen Bedingungen sie aktuell leben“, sagte Rektor Hilmer im Anschluss. „Nach eineinhalb Jahren im ‚Corona-Modus‘ sehnen wir uns wie die gesamte Gesellschaft nach mehr ‚Normalität‘, was an einer Hochschule bisher das Lernen, Lehren und Leben auf dem Campus war. Dafür brauchen wir die Impfungen, die leider erst seit Juni langsam für alle verfügbar werden.“

Kretschmer: Mit Impfungen durch den Winter

Kretschmer hatte bereits während der Diskussion an die Studierenden appelliert: „Wenn wir es schaffen, dass ein hoher Teil der Bevölkerung sich impfen lässt, wird auch diese Pandemie sehr schnell an Kraft verlieren.“ Dass sich 72 Prozent der Mittweidaer Studierenden in einer Umfrage dazu bekannt hatten, sich impfen lassen zu wollen und an der HSMW Studierende geimpft werden, seitdem im Juni 2021 die Priorisierungen aufgehoben wurden, imponierte ihm: „Das ist ein tolles Signal. Es zeigt, wie die junge Generation gerade aufgestellt ist; wie sehr sie verstanden hat, was jetzt notwendig ist. Eine Impfquote von 72 Prozent – da würde ich mit sehr ruhigem Gewissen sagen: ‚Da kommen wir durch den Herbst, da kommen wir durch den Dezember und den Winter.‘ Aber wir kommen halt nicht mit 50 Prozent da durch.“

Die Impfquote wird entscheidend für die Perspektive der nächsten Monate – auch an den Hochschulen Sachsens. Durch systematische Kontakterfassung und Tests der Hochschulangehörigen auf akute Corona-Infektionen ist es der HSMW gelungen, im sachsenweiten Vergleich in den letzten Monaten den höchsten Anteil an Präsenzelementen auf dem Campus anzubieten. Während an anderen deutschen Hochschulen seit eineinhalb Jahren vollständig digital gelehrt wird, sind an der HSMW schon seit 18. Mai 2020 die für das Studium in Mittweida typischen Elemente wie Übungen in Laboren oder den TV- und Radio-Studios in Präsenz möglich. Die Gruppen wurden dafür signifikant verkleinert, Übungen mehrmals angeboten, Masken- und Abstandsregeln eingeführt.

„Ich bin allen Hochschulangehörigen, darunter besonders den Lehrenden und Studierenden, dankbar für ihr Engagement in den letzten drei Semestern. Gerade die Lehrenden haben mit Verve von Beginn an die Herausforderung angenommen, die digitale Lehre im Sinne ihrer Studierenden bestmöglich und innovativ auszugestalten, statt einen einfachen Weg zu wählen. Dieses Engagement ist keinesfalls selbstverständlich und hat mich tief beeindruckt“, so Prorektor Tolkmitt.

Mittweidaer Tandemstrategie als Vorbild

Die Mittweidaer Tandemstrategie, die seit April 2021 das Studieren auf dem Mittweidaer Campus nach einem negativen Test ermöglicht, könnte als Vorgriff auf die Perspektive interpretiert werden, die der Ministerpräsident den Studierenden der anderen sächsischen Hochschulen für die kommenden Monate nannte. Er möchte Lockerungen ermöglichen und das Studieren in Präsenz auch an den anderen Hochschulen wieder stärker ermöglichen.

„Die Corona-Pandemie hat das Campusleben auf null gesetzt. Zu studieren heißt aber nicht nur zu lernen. Es geht um den akademischen Austausch, der per Videokonferenz gar nicht wirklich möglich ist“, betonte Gordon Guido Oswald als Geschäftsführer des Mittweidaer Studentenrats. „Neben Schüler:innen sollten deshalb auch die Studierenden in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion deutlich stärker bedacht werden.“

Genau diesem Wunsch wollte Kretschmer mit seinem Besuch in Mittweida nachkommen. „Lockdown ist aus meiner Sicht kein Mittel zur Pandemiebekämpfung, sondern im Grunde das Eingestehen des Scheiterns“, betonte der Ministerpräsident. Getestet, geimpft, genesen – die Gruppe der „drei G‘s“ solle immer mehr von Einschränkungen ausgenommen werden. „Und es ist ja klar, dass ‚geimpft‘ die komfortabelste der drei Varianten ist“, so Kretschmer.


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